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Commedia - Die göttliche Komödie

Vorwort

Dante Alighieri (1265-1321) schrieb 1307 die Commedia, die es im heutigen Deutschland kaum zu Bekanntheit gebracht hat. Dabei schuf er eines der größten Werke der Weltliteratur und seine Ideen haben bis heute Einfluss auf Dichter, Autoren, Maler und Regisseure.

Dante verfasste sein Werk in der von ihm erfundenen Terzine-Gedichtform. Terzinen bestehen aus Dreizeilern mit dem Reimschema aba bcb cdc ded ... Ich beziehe mich auf die deutsche Übersetzung des Werks, die ohne Reime, aber mit möglichst originalgetreuem Satzbau auskommt. Um die Schönheit der Verse dennoch darzulegen, gebe ich stattdessen auch die Originalfassung in italienischer Sprache wieder. Es gibt daneben auch noch die gereimte deutsche Fassung von Carl Streckfuß (1876).

Auf meine laienhafte Art setze ich mich mit dieser Dichtung auseinander. Kompetenz kann ich weder in mittelalterlicher Geschichte, noch in Philosophie und Theologie aufweisen. Ich möchte lediglich ein wenig in fremden Sphären umhergeistern, um meinen Alltag mit seinen üblichen Themengebieten auszugleichen.

Zahlensymbolik

Dante verbarg in seiner Commedia sehr viel Zahlensymbolik. Viele Details wurden erst bei späteren Forschungen entdeckt. So nutzte er das additive System, bei dem Wörter durch die Summe der Stelligkeiten ihrer Buchstaben im Alphabet symbolisiert werden. Durch diese Methode wird aus dem Wort "Dante" die Zahl 42 ( D + A + N + T + E = 4 + 1 + 13 + 19 + 5 = 42 ), wobei das mittelalterliche lateinisch-italienische Alphabet zu Grunde liegt:

A B C D E F G H I K L M N O P Q R S T U V X Y Z

Dante nutzt diese Methode, um Dinge auszudrücken, die er nicht auf direkte Weise sagen wollte. So verleiht er seinem besonderes Verhältnis zu seiner Jugendliebe Beatrice Portinari, auch Bice genannt, in der Commedia Ausdruck, in dem er ihre Zahlen immer wieder betont. Sie ist es auch, die ihn durch das Paradies führt. In seinem früheren Werk "Vita Nuova" verspricht Dante, ein Gedicht über sie zu schreiben, wie noch nie ein Gedicht über eine Frau geschrieben wurd. Darin weist er Beatrice auch die Zahl 9 zu, als "Wunder, dessen Wurzel allein die heilige Dreieinigkeit ist." Übersicht der symbolträchtigen Zahlen:

  3   Symbol der heiligen Dreifaltigkeit
  9   Dantes Zahl für Beatrice
 19   Bice
 42   Dante
 61   Beatrice
118   Dante Alighieri
  

Die Hölle (Inferno)

Je nach Stärke seiner Vergehen wird jeder sündige Mensch nach seinem Tod einer der zehn Ebenen der Hölle (Vorhölle und neun Höllenkreise) zugeteilt, die sich trichterförmig bis zum Erdmittelpunkt anordnen. Dante durchläuft unter Führung der Seele des alten römischen Dichters Vergil all diese Ebenen und trifft auf viele Gestalten der Antike und seiner Gegenwart. Inferno umfasst 4720 Verse. Das ist das Produkt aus 118 und 40. Somit ordnet sich Dante (Zahl 118) unter anderem der Hölle zu.

Prolog

Dante wird in einem dichten Wald auf dem Weg zum leuchtenden Berge der Tugend von einem Panther, einem Löwen und einer Wölfin abgedrängt. Vergil tritt rettend auf und bietet sich, Dante durch die Reiche des Jenseits zu führen, Hölle und Läuterungsberg, während er den Himmel nicht betreten darf und dort dafür Beatrices Geleit verspricht.

1.37
1.38
1.39
1.40
Temp'era dal principio del mattino,
e 'l sol montava 'n sù con quelle stelle
ch'eran con lui quando l'amor divino
mosse di prima quelle cose belle;

In Vers 1.39 taucht symbolträchtig zum ersten Mal das Wort "amore" auf. Es wird in "Inferno" weitere 19mal auftreten, zum letzten mal in Vers 30.39. Zwischen diesen beiden Worten liegen dann exakt 3993 Verse. Beatrice ist allgegenwertig!

Die Vorhölle

In der Vorhölle werden alle Seelen untergebracht, die weder gut noch böse waren. Sie laufen rastlos umher und werden von Ungeziefer gepeinigt. Vergil erklärt:

3.34
3.35
3.36

3.46
3.47
3.48
3.49
3.50
3.51
Ed elli a me: "Questo misero modo
tegnon l'anime triste di coloro
che visser sanza 'nfamia e sanza lodo."

"Questi non hanno speranza di morte
e la lor cieca vita è tanto bassa,
che 'nvidiosi son d'ogne altra sorte.
Fama di loro il mondo esser non lassa;
misericordia e giustizia li sdegna:
non ragioniam di lor, ma guarda e passa".

Auf dem Fluss Acheron liegt Charon mit seiner Fähre an und bringt die bösen Seelen in die Hölle.

Der erste Höllenkreis (Limbus)

Der Limbus findet keine biblische Erwähnung, sondern entstand aus dem Widerspruch heraus, dass ungetauften Kindern ohne eigene Schuld der Himmel vorenthalten bliebe. Dante erweitert diesen Ort auf alle heidnischen Seelen, die trotz fehlenden oder falschen Glaubens dennoch rechtschaffend waren. Sie sind nicht verdammt und leiden unter keinen Qualen außer der endlosen Sehnsucht nach dem Himmel. Vergil erzählt:

4.34
4.35
4.36
4.37
4.38
4.39
4.40
4.41
4.42
ch'ei non peccaro; e s'elli hanno mercedi,
non basta, perché non ebber battesmo,
ch'è porta de la fede che tu credi;
e s'e' furon dinanzi al cristianesmo,
non adorar debitamente a Dio:
e di questi cotai son io medesmo.
Per tai difetti, non per altro rio,
semo perduti, e sol di tanto offesi,
che sanza speme vivemo in disio".

Vergil berichtet auch, dass Jesus nach seinem Tod durch die Hölle wandelte, die gottnahen Seelen des alten Testaments (Adam, Abel, Noah, Moses, Abraham, Jakob, Rahel und viele mehr) selig sprach und mit sich ins Paradies nahm.

Dante und Vergil treffen die großen Dichter Homer, Horaz, Ovid und Lucanus und gelangen mit ihnen zu einer lichten Region, in der sich eine Festung befindet. Im inneren dieser herrschen bescheiden paradiesische Verhältnisse und Dante entdeckt zahlreiche große Persönlichkeiten, die in verschiedenen Gruppen zusammenstehen. Er kann nicht alle Namen nennen, erwöhnt aber viele:

Die teils mythologischen Urahnen der Römer und Kriegerseelen aus der Trojanerzeit Elektra, Hektor, Aeneas und Cäsar, etwas ferner Camilla und Penthesilea sowie Latinus und seine Tochter Lavinia.
Zu einer anderen Gruppe gehören die im römischen Reich politisch involvierten Brutus, Lucretia, Julia, Marzia und Cornelia.

Etwas abseits steht der islamische Sultan Saladin. Dieser eroberte die Stadt Jerusalem nach langer christlicher Herrschaft zurück. Bekannt und legendär wurde er in der europäischen Welt vor allem durch seine diplomatischen Beziehungen zu König Richard Löwenherz und Friedrich I. Barbarossa, die er trotz militärischer Gegnerschaft voller Respekt aufrecht erhielt. Er ging stets milde mit Gefangenen um und galt als sehr weise. Dante ordnet ihn trotz seines muslimische Glaubens den rechtschaffenden Seelen zu, womit er verdeutlicht, dass nicht allein der Glauben, sondern viel mehr die Tugendhaftigkeit eines Menschen über sein Schicksal in der Hölle entscheidet. So müssen beispielsweise einige Päpste Höllenqualen erleiden, wie später noch zu sehen ist.

Dante sieht in anderen Gruppen Philosophen, Ärzte, Naturwissenschaftler und Künstler sitzen: Sokrates, Platon, Demokrit, Diogenes, Anaxagoras, Thales Empedokles, Heraklit, Zeno, Dioskorides, Orpheus, Tullius, Linus, Seneca, Euklid, Ptolemäus, Hippokrates, Galien, Avicenna und Averroës.

Der zweite Höllenkreis (Die Wolllüstigen)

Dante und Vergil begegnen am Eingang zur eigentlichen Hölle Minos, der in seinem irdischen Leben König und Gesetzgeber von Kreta war und als unbestechlich galt. Dieser lässt sich von allen ankommenden Seelen ihre Sünden aufzählen und weist ihnen daraufhin ihren Platz in der Hölle zu. Sie treten durch das Tor und sehen die Seelen derer, die von Wolllust getrieben wurden, im ewigen Höllensturm umherwirbeln.

5.31
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5.45
La bufera infernal, che mai non resta,
mena li spirti con la sua rapina;
voltando e percotendo li molesta.
Quando giungon davanti a la ruina,
quivi le strida, il compianto, il lamento;
bestemmian quivi la virtù divina.
Intesi ch'a così fatto tormento
enno dannati i peccator carnali,
che la ragion sommettono al talento.
E come li stornei ne portan l'ali
nel freddo tempo, a schiera larga e piena,
così quel fiato li spiriti mali
di qua, di là, di giù, di sù li mena;
nulla speranza li conforta mai,
non che di posa, ma di minor pena.

Dante und Vergil erkennen unter den leidenden Semiramis, Dido, Kleopatra, Achilles und Lancelot.

Der dritte Höllenkreis (Die Unersättlichen)

Die Unersättlichen (Gefräßigen, Schlemer) werden von Cerberus bewacht. Ein ewiger eisiger Höllenregen prasselt auf die nackten Seelen herab. Dante trifft auf Ciacco, einen Dichter seiner Zeit. Zum Abschluss fragt er Vergil nach dem Schicksal der verdammten Seelen nach dem jüngsten Gericht.

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per ch'io dissi: "Maestro, esti tormenti
crescerann'ei dopo la gran sentenza,
o fier minori, o saran sì cocenti?".
Ed elli a me: "Ritorna a tua scienza,
che vuol, quanto la cosa è più perfetta,
più senta il bene, e così la doglienza.
Tutto che questa gente maladetta
in vera perfezion già mai non vada,
di là più che di qua essere aspetta".

Hier muss die biblische Idee des jüngsten Gerichts kurz erläutert werden: Nach dem irdischen Tod eines jeden Menschen wird seine Seele vom Leib getrennt und es erwartet sie das besondere Gericht. Nach diesem entscheidet Gott, ob die Seele in die Hölle, in des Fegefeuer (diejenigen, die in der Gnade Gottes sterben, aber noch nicht von allen Sünden reingewaschen sind) oder in den Himmel kommt. Die Zeit der irdischen Welt, wie wir sie kennen, ist jedoch endlich und an deren Ende erwartet uns das Jüngste Gericht (Gottesgericht, Armageddon, Jüngster Tag). Bei diesem werden Leib und Seele aller Menschen wieder zusammengeführt, ihr Schicksal besteht jedoch fort. Die Seelen aus dem Fegefeuer finden sich dann in Gottes Reich im Paradies wieder, während die der Hölle auch dort bleiben. Da sie aber nun ihren Leib zurückerlangt haben, verschlimmern sich ihre Leiden noch.