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Der Fränkische Jakobsweg

Was macht man mit zuviel übrigen Urlaubstagen kurz vor Ende des Jahres. Der mitteleuropäische November eignet sich überhaupt nicht zum Wandern aber ich fand die Idee trotzdem gut.


15.11.2010

Leider ist derzeit kein detailliertes Buch zum fränkischen Jakobsweg im Handel verfügbar. Deshalb muss ich mich mithilfe einer Wanderkarte von Südfranken irgendwie durchschlagen. Am Montag also erstmal die Zugfahrt nach Bamberg. Schöne Stadt, bekomme ich so nebenbei mit, während ich vom Hauptbahnhof im Norden bis ganz in den Süden nach Bug laufe, um eine Unterkunft Nahe des Wanderbeginns zu finden. Natürlich haben einige kleinere Unterkünfte Betriebsferien, aber schließlich finde ich den Buger Hof, eine freundlich geführtes preiswertes Hotel mit einem sauberen großen Einzelzimmer inkl. Frühstück und einer unglaublich fetten Katze. Um mir die Stadt richtig anzusehen, buche ich gleich für zwei Nächte. Die Wanderung muss also noch warten, was aber aufgrund der Wettervorhersage die beste Entscheidung ist.

16.11.2010

Die historische Bamberger Altstadt ist selbst bei Dauerregen wunderschön. Der Bus bringt mich für nur 1,40 € von Bug ins Zentrum, wo ich mir all die Fachwerkhäuser, Wasserstraßen, Kirchen und Residenzen ansehe. Zum Aufwärmen und Trocknen bietet sich ein Besuch im Naturkundemuseum an, dessen riesige Tierpräparatesammlung sehenswert ist. Dummerweise muss dieser Saal kühl gehalten werden *brrr*. Insgesamt ist der Tag auch ein guter Belastungstest für meine Ausrüstung - die unteren Kleidungsschichten bleiben trocken und warm, so dass ich den kommenden Tagen, die trocken werden sollen, zuversichtlich entgegen sehen kann.

17.11.2010

Start um 8:30 Uhr von Bamberg Bug aus nach Süden durch den Bruderwald. Die Markierungen (gelbe sternförmige Muschel auf blaubem Untergrund) befinden sind an jeder Weggabelung und stellen kaum ein Problem dar. Die erste Station heißt Höfen, die Kirchenglocke tönt viertel Neun. Es ist keine Menschenseele zu sehen, riecht nach Bauernhof, darum gleich weiter bergauf durch den Wald und über den Distelberg. Auch als Alpinwanderer hat die 373m-Erhöhung nach tagelangem Regen ihre Tücken. Doch die laubbedeckten matschigen Abschnitte sind nur kurz.
Als es den Berg wieder hinab geht, folgt eine Überraschung: Absolute Stille. Ferne Straßen und Autobahnen sind hinter dem Berg zurückgeblieben und es bleibt eine Ruhe wie zu Jakobs Zeiten. Dabei befinde ich mich direkt vor dem nächsten Ort. Reundorf ist ein kleines Idyll: Bunte Häuschen und gepflegte Gärtchen, die Kirche schlägt 10 Uhr.

Weiter geht es durch das Eichholz nach Herrnsdorf und weiter dem Tal folgend nach Schlüsselau. Zwischen beiden Orten ertönt als Doppelfeature das 11 Uhr Glockenkonzert beider Kirchen gleichzeitig. Danach geht es erstmal wieder eine lange Strecke durch den Wald. Zur Stärkung dienen Müsliriegel und Sojamilch - ein kleines Mitbringsel aus einem Bamberger Bioladen. In Schnaid halte ich mich nicht auf, liegt doch der Pilgerhöhepunkt dieser Etappe kurz vor mir - der Kreuzkapelle auf dem Kreuzberg. Im Sommer hochfrequentiert mit großem Gastronomieangebot, doch jetzt im November sind Betriebsferien. Ein bisschen entäuscht schaffe ich noch den Weg bis Hallerndorf, doch hier erscheint noch vor Erreichen der Kirche eine verlockendes Angebot. Eine Buslinie nach Forchheim. Der Bus fährt nur einmal in der Stunde und kommt in 5 Minuten. Ich denke nicht mehr lange nach. Ob ich hier Hallerndorf eine Unterkunft finde, ist fraglich, der Fußweg nach Forchheim führt 9 km durch den Wald und der Tag neigt sich in zwei Stunden dem Ende entgegen. Außerdem tun meine Füße weh, so dass ich kurzerhand einsteige und mich den Rest chauffieren lasse.
Forchheim ist zwar nett, aber bietet keine touristischen oder industriellen Höhepunkte, weswegen auch das Gästezimmerangebot recht überschaubar ist. Da ich auf meinem Rundgang nur zwei teure Hotels im Zentrum entdecke und darüberhinaus mit der Topographie der Stadt überhaupt nicht klar komme, steige ich einfach in den Zug nach Nürnberg. Dort geht es dann ruckzuck. Zimmer reservieren bei der Touristeninfo, Unterkunft in einer kleinen Gasse neben dem "Neuen Museum" finden (teurer und nur halb so groß wie in Bug), Rucksack endlich abstellen und sieh an: Es ist erst 17 Uhr. Dann kann ich ja noch einen kleinen Rundgang machen, esse Abendbrot und beschließe noch ins Kino zu gehen. "Die kommendenen Tage" ist eine packende Zukunftvision aus deutscher Produktion und passt eigentlich nicht so recht zur ersten Hälfte des Tages. Danach endlich ins Bett. Insgesamt werden es wohl ca. 35 km Fußmarsch gewesen sein.

18.11.2010

Als ich meine Unterkunft 10 Uhr verlasse, sehne ich mich bereits wieder nach den gelben Muscheln nd beschließe, den Verlockungen der Großstadt zu entkommen. Ich nehme die U-Bahn zum Nord-Ost-Bahnhof und dort die R21 nach Kalchreuth, eigentlich das vorletzte Etappenziel der Jakobstour. Das ist ebenfalls ein sehr schöne Gemeinde mit Kirche und Schloss und auch recht vielen Unterkunftsmöglichkeiten. Da ich keine Wanderkarte mehr für dieses Gebiet habe, muss ich ein bisschen aufmerksamer sein. Leider geht das schonmal grundlegend schief und ich laufe ca. 2 km in die falsche Richtung. Also zurück nach Kalchreuth und dort gibts beim Bäcker erstmal ein paar leckere Stück Kuchen und ein belegtes Baguette gegen den Frust. Dann kann endlich die Tour in Richtung Süden beginnen.

Nach einem Höhenweg, wo sich tatsächlich mal kurz die Sonne zeigt und der schönen Stettenberger Schlucht geht es aber nur noch endlos lange gerade Wegstrecken durch Wälder unter dem ständigen Dröhnen der Autobahn und des Flughafens. Zumindest letzterer bietet noch einen kleinen Höhepunkt in Form eines Rastplatzes direkt an der Start- und Landebahn, wo in kurzen Zeitabständen Flugzeuge abheben und aufsetzen. Bevor es richtig dunkel wird, erreiche ich den Nordosten von Nürnberg, doch die Wegmarkierungen führen mich noch bis in den Südwesten des historischen ummauerten Stadtkerns zur Jakobskirche. Trotz Fußschmerzen ignoriere ich alle Bus- und Bahnhaltestellen, um die letzte Etappe ohne fremde Hilfe zu vollenden. Somit habe ich von den geplanten 3 Touren immerhin fast zwei geschafft.

19.11.2010 - 21.11.2010

Die restlichen Tage bleibe ich in Nürnberg bei einem Freund, sehe mir die unterirdischen Gewölbe am Dürer-Denkmal, das Reichsparteitagsgelände und das Germanische Nationalmuseum an. Aber am schönsten ist einfach die Altstadt an sich, mit ihren Stadtmauern, Kirchen, Gassen und der Burg auf dem Ölberg.