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Die Vertonung der Welt

20.05.2010

Project Pitchfork ist die beste Band der Welt (Stand Mai 2010). Wenn es einfach zu erklären wäre, würde ich nicht über sie schreiben. Dieser Artikel wird sicher mehrmals komplett umgeschrieben, aber was solls, denn mal los:

Pitchfork nimmt den ganzen Einheitsbrei, die Grautöne, Weichstufen und falschen Versprechen der Welt und ordnet es fein säuberlich an. Dabei entsteht ein neues kontrastreiches und farbübersättigtes Bild, das ihre Schönheit und ihre Hässlichkeit aufzeigt. Das schöne findet sich vor allem in der Natur, aber auch in dem Potenzial, das sich in den Menschen verbirgt, wenn sie ihren Hass und ihre Selbstsucht überwinden. Es führt hin bis zu spirituellen Themen. Nicht gut weg kommt dabei die Institution der christlichen Kirche:

Endzeit
Die Selbstverantwortung wurde uns genommen
Von dem Konzern, der sich Kirche nennt
Ein alter Mann, der nicht weiß worum es geht
Redet von Dingen, die er nicht versteht.

Mit dieser aggressiven Kritik an der Kirche muss man bei Pitchfork auch als toleranter Mensch leben. Aber wahr ist, dass die christliche Kirche ihren Legitimationsgrund, die Werteerziehung des Menschen, nicht aufgeben kann und an ihrer Monopolstellung festhalten muss. Und damit werden auch ihre Anhänger nicht aufhören, mit gönnerhafter Geduld den Sorgen und Problemen Andersdenkender zuzuhören und sie in allen Lebenslagen zu beraten und belehren ohne die Fähigkeit der Selbstreflektion erlernt zu haben und ihrerseits Rat anzunehmen, der nicht auf den biblichen Grundsätzen fußt. Eine schöne Passage findet man in diesem Song

The View
a devil does not exist
it's just a metaphor for
giving free rein to our animal instincts
while a full acceptance of these feelings
opens a door to another level
in which harming even the freedom
of another person turns into nonsense

Dies ist also das Ziel: Das Erreichen einer Bewusstseinstufe, die uns Menschen nicht nur durch Fähigkeiten wie Kreativität, Intelligenz und Einfühlungsvermögen von anderen Lebewesen unterscheidet, sondern auch durch ein globales Bewusstsein und eine kollektive Empathie. Dafür müssen unsere animalische Altlasten überwunden werden. Viele Songs schildern auf drastische Weise die Sinnlosigkeit des Krieges. Einer beschreibt eindrucksvoll detailliert die Explosion einer Landmine und endet mit den Worten

Mine
stop searching
hell is already here
yes we made it happen
worse than any beast of prey

Bewaffnete Konflikte sind das Produkt unserer Gier, unserer Unfähigkeit, mit Macht über andere Menschen gewissenhaft umzugehen, aber auch unserer Urangst vor dem Fremden.

Fear
you are afraid of a person which is afraid of you
a person ruled by it's fears
and why should you be afraid of someone
who is behaving like a small child in the darkness
break in the circle we are living in
and don't be afraid, there's nothing to fear

Auch der Tod selbst spielt natürlich eine wichtige Rolle. Egal ob er das Ende der Existenz oder das Tor zu einer anderen Welt darstellt: Er stempelt all unser irdisches Streben nach Macht und materiellen Dingen als Sinnlosigkeit ab:

An End
all of my pain
falls down like rain
all i yearned for
is off the shore
and what i spoke
turns into smoke
...
i'm loosing me!
forever free!
now i can see!
now i can see!

Und das sind nur einige Themen, die die Songs mit großer Poesie befüllen. Was die Musik selbst betrifft, so fehlen mir die Worte. Jeder einzelne Songs der starken Alben !CHAKRA:Red!, Alpha: Omega, IO, Daimonion und Dream, Tiresias ist einzigartig in Melodie und Instrumentalisierung und dennoch abseits jeglichen Mainstreams. Diese Musik erst im Jahr 2009 zu entdecken, war verblüffend aber dennoch eine riesige Erlösung.

Zum Schluss noch das überaus gelungene Video zu Timekiller. Eine fantastische Darstellung und Beschreibung jener Verwandlung, die der menschliche Geist und seine Kreativität vornimmt, wenn die Nacht Einzug erhält. Allein die Vertonung der Schreibmaschinentasten ... what's reality compared to me.